Bergtour mit viel Erlebniswert

Der Wettermix war erstaunlich und die bergsteigerische Beanspruchung ebenfalls. Diese anspruchsvolle Fünftagestour von Hütte zu Hütte durch das Herz der Allgäuer Alpen mit seinem Kernstück dem Heilbronner Weg zählt zu den Klassikern schlechthin.

Bei hochsommerlichen Temperaturen und weiß-blauem Himmel schwebte die 11-köpfige Bergsteigergruppe noch am Anfahrtstag mit der Nebelhornbahn bei Oberstdorf bis zum Edmund-Probst-Haus hoch und tauchte in eine andere Welt ein. Auf dem Laufbacher-Eck-Weg wurde die vielgestaltige, kontrastreiche Allgäuer Bergwelt wunderbar vor Augen geführt. Über aussichtsreiche Kämme und blühenden Wiesen wurden die typischen Allgäuer Steilgrasberge, wie Höfats und Schneck, erblickt, die kontrastreich zu den zerklüfteten Felsbastionen standen.
Bei dem letzten Ab- und Aufstieg an diesem Tag machte sich die Hitze bemerkbar und manche Teilnehmer waren froh, als nach fünfeinhalb Stunden das Prinz-Luitpold-Haus erreicht war.
Über Nacht hatte es kräftig geregnet und die Temperaturen waren deutlich gefallen – genau das Richtige für die bevorstehende Mammut-Etappe. Mit dem mächtigen Hochvogel im Rücken, begann ein stetiges bergauf und bergab, bis am Eissee der Himmel sich immer mehr bewölkte und die Besteigung des 2.384 Meter hohen Rauhecks unter leichtem Regen erfolgte. Oben angekommen rissen die Wolken auf und die Sonne lachte wieder, jedoch nicht allzu lange, denn kurz vor der Kemptner-Hütte öffneten sich die himmlischen Schleusen und die Gruppe wurde von einem Starkregen überrascht, der sogar die Wanderstiefel füllte – eine „alpine Belohnung“ der besonderen Art, nach zehneinhalb Stunden sowie 1.500 Höhen- und Tiefenmeter.
Das Kernstück stand bevor – der Heilbronner Weg, der jedoch zu unrecht seinen Namen hat, denn er müßte besser Heilbronner Steig heißen und könnte so besser eingeschätzt werden. Bei Nieselregen begann der Aufstieg zum Allgäuer Hauptkamm und an der Mädelegabel vorbei wurde der Gipfel des Bockkarkopfes erreicht, der mit 2.609 Meter der höchste Punkt dieser Tour war. Der Nieselregen war zwar nicht durchgängig, dafür jedoch der mittlerweile aufgezogene Nebel, so dass man die Bergwelt optisch nicht genießen konnte. Nicht immer war es leicht, den Steig zu finden, denn Altschneefelder und Nebel erschwerten die Orientierung. Trotz der Nässe war der Fels erstaunlich griffig und zur Sicherheit waren an ausgesetzten Stellen Draht-Fixseile gespannt oder Leitern vorhanden, jedoch war Vorsicht trotzdem geboten. Ab der Kleinen Steinscharte zwischen Wilder Mann und Hohem Licht ging`s nochmals in ausgesetztem hochalpinem Gelände steil bergab, bis nach 400 Meter Abstieg und knapp 9 Stunden die Rappensee-Hütte erreicht war. Erstaunlich war, dass trotz dem bescheidenen Wetter die Hütten gut besucht und die Trockenräume überfüllt waren.
Bei blauem Himmel und idealen Temperaturen lachte am nächsten Tag das Bergsteigerherz wieder. Kontrastreiches Farbenspiel zwischen sattem Grün der Almen und leuchtendem Fels ließ das bisherige Wetterintermezzo schnell vergessen und es konnte die malerische Bergwelt in vollen Zügen genossen werden. Ein kleiner Wermutstropfen gehörte jedoch dazu. An einer Engstelle eines Almweges, die passiert werden mußte, war der Boden durch die Regenfälle und dem Weidevieh so stark aufgeweicht, dass der Schlamm manchen Teilnehmern in die Stiefel floss – aber es gibt ja Wasser und Trockenräume.
Schon früh am Morgen war die Mindelheimer-Hütte auf der anderen Seite des Rappenalpentales zu sehen, die aber erst am Talschluss nach einem 500-Meter-Aufstieg erreicht wurde. Wie auf einer Aussichtsplattform lag diese Hütte am Ende des gleichnamigen Klettersteiges und man konnte von hieraus den Allgäuer-Hauptkamm, den die Gruppe zum großen Teil durchstiegen hat, in seinem vollen Ausmaß erblicken – eine traumhafte Bergkulisse.
Die Mindelheimer Hütte hatte den besten Trockenraum aller Hütten, denn selbst die Bergstiefel wurden über Nacht trocken, jedoch blieben dies nicht lange so. Mit Nieselregen begann der letzte Tag und als die Kemptner-Scharte erreicht war, folgte der lange Abstieg von 1.200 Meter durch`s Wildental – es goss mittlerweile in Strömen. Nass bis auf die Haut, kam die Gruppe in Riezlern im Kleinwalsertal an und konnte sich in einem Gasthof umziehen, aufwärmen und stärken, bis der vorbestellte Reisebus die Gruppe zur Heimreise abholte.

Sicher sind Bergtouren bei idealen Wetterverhältnissen schöner und das Gipfelglück ist bei klarer Sicht ausgeprägter, aber man kann sich das Beste nicht immer aussuchen. Sicher ist, dass die Erlebnisse nachhaltig waren - die Bergromantik hat eben viele Gesichter.

Euer Wanderwart Walter

2010-08-04


Text zu Bild:
1. Die Bergsportabteilung des Skiclubs in den Allgäuer Alpen

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